In Chile

Auch wenn Chile eines der am besten vernetzten Länder Lateinamerikas ist, bestehen noch Mängel hinsichtlich der asphaltierten Infrastruktur, der Wasserinfrastruktur und der Häfen, die einen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit des Lebensmittelsektors haben.

(Florencia Herrera Grebe, Revista CAMPO vom 19.04.2018)

Die Fortschritte im Bereich der Infrastruktur in den letzten 25 jahren hat Chile zu einem der best vernetzten Länder Lateinamerikas gemacht, wie es auch Daten der OECD bestätigen.

Laut Experten sind die größten Schwächen bzw. Notwendigkeiten des Sektors die folgenden:

Mehr asphaltierte Wege

Auch wenn Chile über ein gut ausgebautes und gepflegtes Straßennetz verfügt, gibt es immer noch rurale und landwirtschaftliche geprägte Gebiete mit einem Defizit an Wegen, Brücken und allgemeiner Anbindung.

Chile verfügt über 82.133,78 Kilometer Straßennetz, wovon 39,9% Schotterpisten, 21,6% Asphaltstraßen und 19,6% Erdwege sind, laut einer Studie von 2016 der Direktion für Verkehrswege.

Ab der Region O’Higgins und weiter südlich findet man die meisten Probleme und Defizite vor, insbesondere im Bereich der Asphaltierung. Das heißt, vor allem die Regionen Biobío, La Araucanía und Los Lagos besitzen die meisten nicht asphaltierten Straßen, mit durchschnittlich 8.000 Kilometern, laut Zahlen von 2016.

Fehlende asphaltierte Straßen beeinträchtigen die Transportzeiten und somit auch die Qualität der Produkte (Beschädigung der Früchte, Stress und Hämatome beim Vieh) und die Kosten für die Transportunternehmen durch Mängel und Fehler.

Mehr Wasseransammlungen

Die Nachfrage nach Wasser steigt weiter an, sowohl aufgrund zunehmender Urbanisierung als auch weiter ausgedehnter Anbauflächen. Hinzu kommt, dass der Klimawandel die Verfügbarkeit von Wasser negativ beeinflusst.

Das Landwirtschaftsministerium (MINAGRI) rechnet bis 2030 mit einer bewässerten Anbaufläche zwischen 1,1 und 1,3 Mio. Hektar. Allein der bewässerte Obstbau erreicht hierbei ungefähr zwischen 507.000 und 583.000 Hektar. Basierend auf dieser Aussage ist damit zu rechnen, dass der Bedarf an Wasser weitaus höher sein wird als bisher bzw. als vorhergesagt.

Die Herausforderung ist zudem, dass in den Wintermonaten ca. 85% des Süßwassers in das Meer geleitet werden, ohne weitere produktive Nutzung. Dies ist eine enorme Verantwortungslosigkeit. Daher ist es erforderlich, die Implementierung weiterer Staubecken voranzutreiben. Hierfür müssen Infiltrationspunkte im Grundwassernetz definiert und Mechanismen zur Wasserverteilung im Land – wie die Wasserautobahn- vorangebracht werden. Diese Maßnahmen sind notwendig, um Chiles Lebensmittelsektor weiter auszudehnen und neue Geschäftsmöglichkeiten wahrzunehmen.

Verbessern der Hafen-Infrastruktur

Laut einem Bericht der OECD hat sich die gesamte Kapazität von Containern auf chilenischen Häfen von 2004 bis 2014 verdoppelt und die Produktivität der Schifffahrt zu einer der höchsten in ganz Lateinamerika entwickelt.

Das Problem ist, dass weiterhin Defizite bestehen, welche in den nächsten 15 Jahren weiter anwachsen werden und es erforderlich machen, dass die gesamte maritime Infrastruktur weiter ausgebaut wird.

Die Schwächen in der Hafeninsfrastruktur kommen zu den Schwächen der Verkehrsinfrastruktur hinzu und erschweren den inter- sowie intranationalen Transport der Waren.

Geringe Vernetzung/Anbindung

In Städten wie Santiago, Valparaíso, Concepción und Temuco funktioniert die Anbindung ans Internet sehr gut. Bewegt man sich jedoch außerhalb dieser Städte, erschwert sich der Zugang zum Internet. Damit verlieren die Produzenten und Landwirte erheblich Effizienz in ihren Prozessen.

Flughäfen

Auch wenn ca. 90% des internationalen Güterverkehrs per Schifffahrt erfolgt, haben die Flughäfen in Chile mittlerweile eine wichtige Rolle im Lebensmittelexport. Experten gehen jedoch davon aus, dass diese nicht ausreichend mit dem Sektor wachsen. Der Flughafen La Araucanía, zum Beispiel, ist einer der besten des Landes, ist aber zu 100% für den Passagierverkehr konstruiert wurden. Die Zugänge für den Warenverkehr sind entsprechend nicht vorhanden bzw. gegeben.

Reduzieren der Stromkosten

Chile ist eines der südamerikanischen Länder mit den höchsten Stromkosten. Laut einer offiziellen Studie bewegt sich der Tarif mit 15,80 Dollar-Cent pro KWh ($105) über dem regionalen Durchschnittswert von 1,21 Dollar-Cent ($65).

Auch wenn die Energiekosten in den letzten Jahren gesunken sind, bestätigen Experten, dass die Preis-Reduktionen im ländlichen Raum nicht ausreichend waren. Die Situation ist somit schwierig, da die Stromkosten 15% der gesamten Produktionskosten im Lebensmittelsektor ausmachen. Es muss daher weiterhin an Energieeffizienzmaßnahmen in der Obstproduktion gearbeitet und erneuerbare Energien berücksichtigt werden, um die Industrie ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltig zu gestalten.

Recent Posts

Leave a Comment