In Chile

Die Abwesenheit der Bewässerungsverbände in Verbindung mit einer Vergabe von Wasserrechten ohne Berücksichtigung neuer Technologien verschärfte die Probleme der langen Trockenheit in der Region. Nun folgen Änderungen: Anheben der Strafen, Schaffen von Aufsichtsräten in den Einzugsgebieten Petorca und La Ligua sowie Bau des Stausees Las Palmas.

(Eduardo Moraga Vásquez, Zeitschrift CAMPO vom 18.06.2018)

Die Staffel aus ca. 20 Ermittlern der Wasserbehörde betrat 49 Grundstücke. Ein Team aus der Metropolregion verstärkte hierbei die eigentlich vier Ermittler der Region Valparaíso. Die Mission war – so ca. eine Woche vorher definiert – die korrekte Nutzung der Wasserrechte im Einzugsgebiet La Ligua zu verifizieren.

Das Ausmaß und die Überraschung der Ermittler – begleitet durch regionale Presse – hatte ein klares Ergebnis: eine Erklärung zur Wassersituation in der Provinz Petorca, welches somit zur Priorität der Regierung wurde.

“Die Wasserbehörde DGA hat eine Reihe von Brunnen, in denen gemessen wird, was mit dem Grundwasser passiert. Diese Brunnen haben ein radikales Absinken des Spiegels signalisiert. Dies führte bereit 2014 dazu, dass die DGA alle provisorischen Wasserrechte außer Kraft setzte.

Was ist heute zu beobachten? In der Provinz Petorca haben sich die Brunnen erholt. Aber nicht im Einzugsgebiet des Flusses La Ligua, wo die Brunnenstände weiter zurückgehen. Dies deutet darauf hin, dass es ggf. provisorische Rechte gibt, die nicht mehr aktiv sein sollten, aus denen aber weiterhin Wasser extrahiert wird. “Das ist eine Strafsache”, erklärt Óscar Cristi, Berater des Ministers für Öffentliche Bauaufträge in der DGA.

Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in der Presse bekannt: Feststellung von 14 Unregelmäßigkeiten.

Auch wenn die Institutionen sich hierzu bedeckt halten, bestätigen Kenner der Branche und Abläufe, dass sich derartige Mega-Untersuchungen im Laufe des Jahres wiederholen werden. Die allein 49 Untersuchungen bei einem Ausrücken stehen insgesamt 53 Untersuchungen im ganzen Jahr 2017 gegenüber.

Rodrigo Mundaca, Pressesprecher der NGO Modatima, verfolgte die Nachrichten über die Strafen sehr genau.

“Was Modatima seit langer Zeit anprangert bestätigen nun die öffentlichen Autoritäten”.

Für die Landwirte der Zone war die Ankunft der DGA Ermittler eine Maßnahme, die sie sehr schätzen.

“Wir waren die ersten, die sich mit der neuen Regierung zusammengesetzt haben, um die Ermittlungen anzustoßen. Die Mehrheit der Landwirte arbeitet richtig und korrekt”, erklärt Alfonso Ríos, Präsident von AgroPetorca, einem Gremium, dass die Landwirte der Provinz versammelt.

Ríos und Mundaca befinden sich auf unterschiedlichen Seiten beim Thema Petorca. Während die Organisation von Mundaca aktiver Part in der Verbreitung von Reportagen in der europäischen Presse wi DanWatch, The Guardian und dem Kanal ARD war, in denen der Wasserstress der Provinz Petorca auf die Avocado-Produktion zurückgeführt wurde, repräsentiert Ríos genau diesen Zweig, die Avocado-Bauern der Zone.

Dass diese nun unter Beschuss stehen, ist die Krönung genannter Maßnahmen.

Laut Berichten der Odepa von 2017 nahm der Avocado-Bestand 4.763 Hektar Fläche ein und somit 45% weniger als noch im Jahr 2008. Grund für diesen Rückgang war die extreme Trockenheit, die zum Fällen und Entfernen der Bäume führte.

Währenddessen ist es jedoch den Bewohnern der ländlichen Gebiete in dieser Zone nicht besser gegangen. In diesem Jahr wurden 4.778 der ländlichen Bewohner via Tanklastern mit Wasser versorgt.

Die Einzugsgebiete der Flüsse Petorca und La Ligua verzeichneten in 2017 das 11. Jahr in Folge mit Niederschlägen unter dem Durchschnitt.

Getroffen vom Wassermangel und einem schlechten internationalen Image, muss sich die Landwirtschaft in Petorca neu erfinden und weiter zu überleben.

Somit kommen neue Aufgaben auf die Landwirte zu, die aktiver werden und sich gegenseitig mehr vertrauen müssen, um sich für eine korrekte Nutzung des Wassers in Verbänden zusammenzuschließen. Außerdem werden Ressourcen benötigt, um neue Monitoring-Technologien einzuführen, welche ab diesem Jahr sogar obligatorisch werden sollen. Es muss zudem der Bau des Stausees Las Palmas konkretisiert werden. Und das ist nur der Anfang.

Aufgrund des internationalen Drucks müssen die Landwirte sich für die kritischsten Zertifizierungsstellen entscheiden. Ein Prozess, der nicht nur viel fordert sondern auch teuer ist.

Für die neue Administration in La Moneda ist es von großem Interesse, das Problem in Petorca so schnell wie möglich zu lösen. Hierfür sind sie bereit, radikale Entscheidungen zu treffen. Auch wenn die Zahl der Ermittler schrittweise bereits angehoben wurde – auf die aktuell 4 Ermittler – verkündete der Minister für Öffentliche Bauaufträge, Juan Andrés Fontaine, dass er diese auf 20 allein in La Ligua anheben möchte.

“Wir vollziehen derzeit Änderungen in der DGA, um eine aktivere Kontrolle zu ermöglichen. Wenn es ein Problem gibt, müssen wir in der Lage sein, dieses zu betrachten.

Was wollen wir mit der DGA erreichen? Dass uns diese Probleme nicht immer wieder erreichen. Dass es kein zweites Aculeo, kein zweites Petorca gibt. Deshalb bewegen wir uns derzeit im ganzen Land, um agiler zu sein und auf die Bedürfnisse reagieren zu können”, erklärt Óscar Cristi.

Ein wichtiger Punkt hierbei ist, dass die Macht der Ermittler im Vergleich zum letzten Jahr zugenommen hat.

In den letzten Wochen der Amtszeit von Michelle Bachelet wurde das Gesetz 21.064 verabschiedet, das die Ermittlungen seitens der DGA reguliert.

Die Ermittler können nun direkt Strafen verhängen. Zudem sind die Strafen für eine Wasserentnahme ohne Wasserrecht stark angehoben wurden. Lag die Strafe früher zwischen 10 UTM und 20 UTM, sind es nun zwischen 500 UTM und 2.000 UTM.

Die Frage wiederholt sich immer wieder. Die Antwort ist Ignoranz und das Vertrauen in wenige, unkonkrete Daten. Zudem misstrauen die Landwirte  im oberen Teil des Tals denen im unteren Teil. Ähnliches trifft auf die kleinen und großen Produzenten zu.

Nur ein Fakt ist klar, die Einzugsgebiete Petorca und La ligua sind die einzig relevanten ihrer Größe im Land, die über keinen Aufsichtsrat verfügen. Sowohl im kleinen Norden als auch in der Zentralregion haben sich die Landwirte organisiert, um die Oberflächenwasser für die Bewässerung zu steuern und zu kontrollieren.

Auch unter der Erdoberfläche gibt es bisher wenig Zusammenarbeit. Nichtsdestotrotz, aufgrund der geringen Niederschlagsmengen wird der Großteil der Anbauflächen in der Provinz Petorca mit Tiefenwasser bewässert. Rechtlich gesehen gibt es 12 Wasserverbände, von denen aber nicht alle aktiv sind. Anders als in Copiapó, wo die Landwirtschaft nur vom Tiefenwasser abhängt und sich dort starke Wassergemeinden gebildet haben. Diese Verbände sind die ersten ihrer Art, die einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser fokussieren. Wenn nötig auch mit eiserner Faust.

Dieser Tage arbeitet die Regierung am legalen und administrativen Rahmen für die Aufsichtsräte in Petorca und La Ligua. Die Ausarbeitungen für den Fluss Petorca befinden sich in den letzten Zügen für die Registrierung bei der DGA, während die Unterlagen für La Ligua noch etwas dauern.

Währenddessen berät man in der DGA wie man mit den Befugnissen in den “Dürregebieten” umgeht und um Sensoren in den Brunnen und Kanaleinläufen direkt zu verknüpfen. Kein unwichtiger Aspekt wenn man berücksichtigt, dass jeder dieser Sensoren um die $250.000 kostet.

Man geht davon aus, dass der Bau des Stausees “Las Palmas” 2020 starten und 2024 in Betrieb gehen wird. Die Konzession wird für einen festen Zeitraum von 228 Monaten vergeben, d.h. bis 2037.

“Mit der Implementierung des Projektes zur 85%igen Bewässerungssicherheit erwartet man auch, dass neue Früchte und Kulturen angebaut werden können, mit einer noch höheren Produktivität und gleichzeitiger Sicherstellung der Wasserressourcen für die ländliche Bevölkerung”, erklärt das MOP (Ministerium für Öffentliche Bauaufträge). Um jedoch von dem Wasser aus dem Stausee profitieren zu können – so will es das Gesetz – muss ein Aufsichtsrat vorhanden sein oder eine Kanalvereinigung, die Teil des Aufsichtsrats ist.

Recent Posts

Leave a Comment