In Wassermanagement

Mit der Behandlung der abgelassenen Abwässer könnten 276 olympische Schwimmbecken gefüllt werden. Noch mehr, wenn ma de ländlichen Abwässer dazu rechnet. Hierzu gibt es bereits Erfahrungen in Ovalle und Studien aus Valparaíso.

(Patricia Vildósola Errázuriz, Zeitschrift CAMPO vom 25.06.2018)

Das Einzugsgebiet Elqui, ab der Laguna Plata – auf 3.000 Metern Höhe – bis zur Küste benötigt 300 Mio. Kubikmeter Wasser, um die menschlichen und landwirtschaftlichen Bedürfnisse zu stillen. Gleichzeitig entlassen an der Küste die Unternehmen Tausende von Kubikmetern pro Sekunde an Abwasser aus La Serena und Coquimbo ins Meer. Würde man dieses Wasser in einem Stausee sammeln, wären das 31 Millionen Kubikmeter pro Jahr, d.h. 10% des gesamten Wasserbedarfs im Einzugsgebiet Elqui.

Diese 10% (äquivalent zu 84 Kubikmeter pro Sekunde, laut DGA) korrespondieren mit der nationalen Wasserlücke, die man schließen könnte, wenn man das Abwasser als 33 Betriebe von Arica bis Punta Arenas behandeln würde, sagt Ulrike Broschek, stv. Abteilungsleiterin Nachhaltigkeit der Fundación Chile.

Gemäß ihrer Erhebungen lassen diese Betrieb derzeit 8 Kubikmeter pro Sekunde ins Meer. Dies entspricht der dreifachen Durchflussmenge des Flusses Mapocho. Damit, so erklärt sie, könnten 276 olympische Schwimmbecken pro Tag gefüllt werden. Wenn man dem noch die Behandlung der Abwässer aus den System der ländlichen Trinkwasserversorgung hinzufügt – die in vielen Kommunen nach ihrer Behandlung in Schluchten zur Verfügung stehen – würde sich die Wassersituation in vielen Gebieten radikal ändern. Gebiete, die heute nicht über ausreichend Wasser verfügen, nicht einmal für den menschlichen Gebrauch und somit an Produktivität verlieren.

Die Experten betonen immer wieder, dass in Gebieten, in denen Wasser mangelt – sowohl durch höheren menschlichen Konsum als auch durch geringere natürliche Verfügbarkeit – alle Möglichkeiten genutzt werden sollten, die Effizienz zu steigern.

Luis Escobar, Volkswirt und Berater des politischen Zentrums für Infrastruktur (CPI), erklärt, dass es sich durchaus um eine praktikable Technologie handelt.

“Es kann Sinn machen im Norden, aber nicht unbedingt immer dort, wo das Wasser insgesamt immer weniger wird. In jedem Fall ist es wichtig, keine Alternative unberücksichtigt zu lassen. Der Schlüssel liegt in der Kombination verschiedener Politiken, deren Ziel es ist, so wenig Wasser wie möglich zu konsumieren und dieses aufzufangen, zu behandeln und wiederzuverwenden”, erklärt er.

Genau diese Möglichkeit war der Anreiz dafür, Projekt sowohl mit Wasserwerken als auch Trinkwasserversorgern anzuleihern.

Auch wenn international die Technologien existieren und behandeltes Wasser in verschiedenen Bereichen wiederverwendet wird, von der Infiltration in Grundwasserleiter bis hin zur Landwirtschaft – z.B. in Israel kann das gleiche Wasser in drei verschiedenen Fällen zur Anwendung kommen, was im Bereich der Landwirtschaft die Extraktion aus anderen Quellen um 70% reduziert hat – ist dies in Chile, insbesondere in den großen Städten noch nicht der Fall. Erst Anfang dieses Jahres hat man in Cerrillos de Tamaya, Ovalle, die erste Trinkwasseraufbereitungsanlage für die produktive Nutzung in der Landwirtschaft eröffnet. Hier wird Wasser generiert, welches dann zur Produktion von Luzernen verwendet wird.

“Hier gibt es ein Wasservolumen, das man einfach nicht verlieren kann. Im ländlichen Bereich zum Beispiel gibt es Abwasserbehandlungsanlagen, die nicht mehr oder nur sehr schlecht funktionieren. Ursache hierfür ist eine falsche Bedienung, vor allem vor dem Hintergrund fehlender Ressourcen. Damit könnten neue Einnahmen generiert werden, die dann reinvestiert werden können”, sagt Ulrike Broschek. Sie fügt hinzu, “das sind Maßnahmen die viel günstiger sind als die Entsalzung, bis zu 7 Mal günstiger sogar”.

In Valparaíso beträgt die jährliche Nachfrage nach Bewässerungswasser 747 Millionen Kubikmeter. Gleichzeitig werden 126.630.594 Kubikmeter Abwasser generiert – laut Daten der Fundación Chile – wovon 64% den Wasserwerken und der Rest den urbanen und ländlichen Abwasseranlagen zuzuordnen sind. Insgesamt machen die “grauen” Wasser also 16,95% des landwirtschaftlichen Wasserkonsums aus und  nur 10,83% der Nachfrage kann über die Wasserwerke gestillt werden. Die Nutzung der behandelten Abwasser bedeutet nicht nur bessere Produktivität, sondern auch Umweltverbesserungen.

“Indem die Wässer wiederverwendet werden, wird der Pazifik nicht weiter verschmutzt und die Wasserqualität an den Stränden verbessert sich, was wiederum von Vorteil für den Tourismus ist. Man würde eine neue und ergänzende Wasserquelle für die Nutzung in der Landwirtschaft für das Tal gewinnen, das so sehr unter der Mega-Dürre der letzten Jahre leidet. Und es ist eine Wasserquelle, die mit den Jahren weiter anwachsen wird, parallel zur regionalen Bevölkerung und unabhängig von den meteorologischen Bedingungen”, erklärt Félix Bogliolo, CEO von Via Marina, einem Unternehmen, dass die Konzession für die Behandlung der Abwässer des Betriebs Loma Larga beantragt hat, um dieses unter- und überirdisch ins Aconcagua-Tal zurückzuführen.

“Von diesem Projekt profitiert direkt die Landwirtschaft der dritten und vierten Sektion des Flusses sowie indirekt die erste und zweite über Abkommen zwischen diesen. Hierbei ist die Rede von 1,6 m3/s, d.h. über 50 Millionen Kubikmeter pro Jahr”, sagt Félix Bogliolo.

Cristián Baquedano, Vorsitzender des Wasserausschusses der Regionalen Entwicklungsagentur Coquimbo, erzählt, dass aufgrund der Trockenheit ungefähr 200.000 Menschen – vor allem kleine Landwirte – ohne Wasser sind.

Für sie werden seit Jahren Alternativen zur Wiederverwendung des Abwassers beurteilt, wie z.B. eine japanische Technologie oder aus Holland.

“Damit beabsichtigen wir. Technologien zur Verfügung zu haben, die ein Geschäftsmodell mitbringen und nachhaltig sind und einen sozialen Beitrag leisten”, erklärt Baquedano.

Im Rahmen dieser Strategie wird auch ein Projekt von der Regionalregierung Coquimbo finanziert, über den Regionalen Innovationsfonds (FIC) und realisiert von der Fundación Chile, um die Möglichkeiten zur Behandlung und Wiederverwendung der Abwässer aus der Trinkwasseraufbereitungsanlage Cerrillo de Tamaya, in Ovalle, zu evaluieren.

“Es wurde ein formales Wiederverwendungssystem implementiert, das allen Qualitätsstandards gerecht wird, um Ungefährlichkeit und Qualität des Wassers zu gewährleisten. Wir haben hierfür internationale Standards und Protokolle durchgearbeitet, in denen Empfehlungen gegeben werden darüber, welche Wasserqualität für welche Kultur erforderlich ist”, erzählt Ulrike Broschek von Fundación Chile.

Hierfür arbeiteten sie mit der Abwasseranlage zusammen, die 6 Liter pro Sekunde verarbeitet und bereits existierte. “Das Wasser wurde in eine Schlucht abgelassen”. Deswegen sprachen sie mit einem Landwirt, der Luzerne anbaut und schlossen ein Abkommen mit ihm, in dem die Einkünfte zu 40% an die Trinkwasseraufbereitungsanlage und zu 60% an ihn gehen.

“Damit gewinnen beide und gleichzeitig hat das Projekt sowohl ökologische als auch soziale Rentabilität, denn man nutzt die Ressource effizient, verbessert das Produktivitätsniveau der Zone und schafft Arbeitsplätze”, betont Ulrike Broschek.

In Chile müssen die behandelten Abwässer mit denen in Dekret 90 verordneten Kriterien einhergehen. Dieses Dekret definiert die Minimal- und Maximalwerte für verschiedene Komponenten, damit das Wasser z.B. ins Meer gelassen werden kann.

Es gibt aber keine Norm, die explizit die Wiederverwendung behandelter Abwasser regelt, erklärt die Spezialistin Ulrike Broschek. Es gibt auch keine legalen Einschränkungen zur Nutzung der Wässer aus den Wasserwerken und Kläranlagen.

Das heißt, wenn das Wasser wiederverwendet werden soll, so zum Beispiel für die Bewässerung oder urbane Bereiche, muss man die Sicherheit haben, dass die geforderte Qualität eingehalten wird. Laut der Expertin Ulrike Broschek kann Wasser heute, laut Dekret 90, wiederverwendet werden, obwohl eine Anpassung der nationalen Norm erforderlich wäre.

“International gesehen existieren in Israel und Ländern des Mittleren Ostens sehr spezifische Standards. Man könnte also ganz leicht einen nationalen Standard zur Wiederverwendung des Wassers einführen”.

Aufgrund der Tatsache, dass die Wiederverwendung auch mit Kosten verbunden ist – unter anderem weil das Wasser dorthin transportiert werden muss, wo es benötigt wird – hat es auch einen Wert, der bezogen werden kann. Hierfür gibt es, laut Ulrike Broschek, verschiedene Geschäftsmodelle.

“Gemäß unserer Studien und Beobachtungen, zahlt sich die Investition mit gestiegener Produktivität innerhalb von zwei Jahren aus, ohne dabei den sozialen Einfluss zu berücksichtigen”, betont die Expertin.

Die Auswirkung, erklärt sie, hängt von der Kultur ab. “Zum Beispiel ist die Rentabilität viel höher, wenn man dieses Wasser im Obstbau verwendet als in anderen Bereichen”. Ein anderes Thema, dass die Funktionalität des Systems beeinträchtigen kann sind die Wasserrechte.

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